Die Wundertüte
Der Morgen ist mein Freund
Ich habe es immer genossen, wenn die Stadt wach wurde, die Gerüche der Bäckereien durch die Straßen ziehen, die Sonne sich langsam herauskämpft und ich meinen ersten Kaffee irgendwo zu mir genommen habe. Eine Zeit, in der nur vertraute Menschen anrufen, ansonsten herrscht angenehme Funkstille.

Heute machte ich um 6:00 Uhr meine Inspektionsrunde durch das Treatmenthouse und beobachtete, wie die Sonne sich immer mehr ihren Weg bahnte. Der Staff kommt zum großen Teil mit dem Motorrad. Ich staune nicht schlecht. Die Erwachsenen haben in der Regel einen Helm auf, die Kinder nicht. Wenn ich die voll beladenen Motorräder sehe – Mama und Papa, ein größeres Kind dazwischen und vorne ein kleines Kind, das kaum zu sehen ist – dann kann man sich schon die ein oder anderen Gedanken machen.
Ich setze mich in die Mitte des Geschehens und sehe alle geschäftig hin und her flitzen. Das Wasser für die Behandlungen wird gekocht, der Frühstückstisch eingedeckt. Die ersten Locals treffen zu ihren Behandlungen ein. Ready | Steady | Go.
Teamwork

Eine Teambesprechung habe ich hier noch nicht gesehen, und trotzdem sind alle jederzeit informiert und synchronisiert. Alles geschieht leise, harmonisch und ganz offensichtlich vollkommen klar abgestimmt. Im Takt gleiten die Hände von zwei bis drei Therapeuten über den Körper - massieren, kneten und gehen gerne richtig in den Schmerz. Und alles, was im Treatmenthouse verwendet wird, wird selbst angebaut verarbeitet und hergestellt.
Eine Qualität, die ihresgleichen sucht.
Wenn ich in der Behandlung bin, wird mein Zimmer auch noch von Zauberhänden aufgeräumt und sauber gemacht. Wenn das keine angemessene Pflegestufe ist
Die Wundertüten der Begegnungen

Und dann die Gespräche, die wie eine Wundertüte immer wieder neue Perspektiven, Sichtweisen und Lebensträume lebendig in den Raum projizieren. Mal dreht es sich um vergangene Zeiten, mal geht es einfach um das, was man in der Natur erlebt, mal um Kulturelles. Wie auf einer Leinwand ziehen die Bilder der Geschichten vorbei und geben dem Frühstücksraum ein ganz anderes, besonderes Leben.
Eine Rundreise über die Länder und Flughäfen der Welt – mit einem wunderbaren, selbstgebauten Schiff in die Karibik, im Gespräch mit einem Kollegen, der Putz heißt und nicht Pütz – dem also jemand auf dem U die zwei Punkte geklaut hat. Dazwischen bewirkt das besondere Lachen von Buhmi eine ansteckende Heiterkeit. Ich habe den Eindruck, es geht allen einfach gut.
Um wie viel Uhr beginn eigentlich der Morgen?

Jetzt ist es 6:30 Uhr und in allen Behandlungszimmern wird schon fleißig gearbeitet. Ich kann mich also wieder meiner Eingangsfrage widmen: Wann ist es Morgen und wann ist Nacht? Aber eigentlich ist es die falsche Frage, denn dahinter steht:
Wie viele Stunden Schlaf kriege ich pro Nacht und wie?
Ich habe das Gefühl, dass "mein" Morgen [Schlaf] im Moment immer mehr in die Nacht versinkt [kürzer wird] und das wird auf Dauer schwierig und anstrengend. Deswegen würde ich gerne mit wem auch immer eine Vereinbarung treffen, dass mir ein Schlaf bis 5:00 Uhr zusteht. Ob sich da jemand für verantwortlich fühlt und ob sich jemand daran hält, ist mir allerdings vollkommen schleierhaft. es wird wie immer wieder auf das Gleiche rauskommen. Entweder ich finde selbst einen Weg oder ich suche mir eine Stelle als Nachtwächter. Das wäre vielleicht noch etwas Sinnvolles. Mal schauen, wie es sich entwickelt

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