top of page

Poliert, gekocht und leergeräumt

17. Aug.
5 Min. Lesezeit


Zuerst wurde ich poliert


Nach Vijay’s Foot Therapy folgte eine Behandlung mit heißen Kräuterstempeln. In der ayurvedischen Tradition werden solche Anwendungen unter anderem als Kizhi bezeichnet. Je nach Zusammensetzung werden Blätter, Kräuter, Gewürze oder andere pflanzliche Bestandteile in kleine Stoffbeutel gefüllt, erwärmt und mit Öl oder einer anderen Flüssigkeit kombiniert.

Die heißen Kräuterbeutel erreichen mal streichelnd, mal klopfend, aber in der Regel mit vollem Krafteinsatz jede Stelle des Körpers. Der Körper wird intensiv bearbeitet: drücken, reiben, klopfen, weiterwandern, erneut erhitzen und wieder von vorne. Die Wärme dringt nach und nach in den Körper ein. Die Haut wird stark durchblutet, die Muskulatur fühlt sich zunehmend weich an und der ganze Körper gerät ins Schwitzen. Zumindest habe ich es so wahrgenommen.

Nach der Behandlung sah ich aus, als hätte jemand auf meiner Haut unzählige kleine rote Punkte verteilt. Kleine Entzündungen oder Fluchtwege von was auch immer.

Im traditionellen ayurvedischen Verständnis gehört diese Anwendung zur Phase der Reinigung und Entlastung. Wärme, Öl, Druck und die mechanische Bearbeitung der Haut sollen den Körper auf die nächsten Behandlungsschritte vorbereiten. Wie auch immer man es beschreibt: Ich fühlte mich anschließend tatsächlich gründlich poliert.


Danach wurde ich gekocht


Als das Polieren abgeschlossen war, ging es mit der Hitze weiter. In der ayurvedischen Praxis gibt es unterschiedliche Gussbehandlungen. Beim klassischen Pizhichil wird warmes medizinisch behandeltes Öl in einem gleichmäßigen Rhythmus über den Körper gegossen und zugleich einmassiert. Bei anderen Anwendungen werden Kräutersude oder fermentierte Flüssigkeiten eingesetzt. Diese heiße Flüssigkeit wurde während der gesamten Behandlung gleichmäßig über den Körper gegossen.


Das klingt zunächst beinahe banal. Ein bisschen heißes Wasser über den Körper – was soll daran schon besonders sein? Eine ganze Menge, wie ich bei meiner ersten Erfahrung feststellen durfte.

Die Hitze wirkt nicht nur oberflächlich. Wenn über längere Zeit immer wieder heiße Flüssigkeit über große Teile des Körpers läuft, wird daraus eine intensive Wärmebehandlung. Der Körper versucht, seine Temperatur zu regulieren. Die Gefäße in der Haut erweitern sich, man beginnt zu schwitzen und der Kreislauf kann erheblich gefordert werden.

Beim ersten Mal hat mir diese Behandlung beinahe den Kreislauf weggehauen.

Subjektiv fühlt sich die Behandlung an, als würde der Körper weichgekocht. Alles wird warm, schwer und langsam. Danach möchte ich vor allem liegen.

Und genau das ist wahrscheinlich auch der Sinn des anschließenden Ruheprogramms.


Mein Rückzugsort


Mein Bett hier im Treatmenthouse hat inzwischen nur noch entfernt Ähnlichkeit mit einem gewöhnlichen Bett. Zwei mal zwei Meter werden in ihrer Gesamtheit ausgenutzt. Mal liege ich schräg in die eine Richtung, mal schräg in die andere und manchmal sogar gerade. Es ist verblüffend, wie schnell man seine Gewohnheiten umstellt.


Umgeben von dem dringend notwendigen Moskitonetz habe ich tagsüber alle meine Geräte um mich herum versammelt: Computer, Smartphone, Kabel, Kopfhörer und alles, was ich sonst noch zum Arbeiten brauche. Und mit diesem Setting entspanne ich, schlafe ich und manchmal gehe ich auch meinen Gedanken nach und arbeite an meinen Projekten.

Das Ergebnis ist ein Zwischending aus Cockpit, Kommandozentrale und Ruheraum.

Zu Hause wird es vermutlich eine ziemliche Herausforderung, mich wieder mit einem Bett von gerade einmal einem Meter Breite zurechtzufinden.

Und ich liege hier selbstverständlich nicht allein im Bett. Natürlich ist PARKI dabei. Keine Frage. Aber wir sind sogar zu dritt. Und die Dritte ist die künstliche Intelligenz.


Meine virtuelle Bettgenossin


Wir arbeiten gemeinsam an meinen Projekten, an meinem Buch, an der Vermarktungsstrategie und an neuen Blogartikeln. Manchmal brauche ich eine konkrete Ausarbeitung. Manchmal eine zweite Meinung. Und manchmal einfach einen Sparringspartner, der meine Gedanken sortiert und mir auch widerspricht.


Es ist schon verrückt, wie viele virtuelle Assistenten man heute einsetzen kann. Sie erledigen Arbeiten, die früher Stunden oder sogar Tage in Anspruch genommen hätten, und erzielen manchmal auch recht lustige Ergebnisse – wie bei diesem Abschiedsgeschenk für meine treuen Therapeuten oder bei meinem Auftritt als Pirat auf hoher See.


Das ist faszinierend – und manchmal auch beängstigend. Fluch und Segen liegen dabei verdammt nah beieinander.

Ich habe mir einmal den Spaß erlaubt, drei verschiedenen künstlichen Intelligenzen dieselbe Aufgabe zu stellen. Und was soll ich sagen? Die Ergebnisse waren grundlegend unterschiedlich.

Da beißt die Maus keinen Faden ab: Es braucht sehr gute, detaillierte und intensive Briefings, um zu dem gewünschten Ergebnis zu kommen. Die Impulse für die wirklichen qualitativen Fortschritte gibt der Mensch vor und entwickelt sie dann im Dialog mit der KI weiter.

Apropos Mensch: Irgendwie bin ich vom Thema abgekommen.


Raus aus der Hitze – und nicht in die Sonne


Während dieser heißen Behandlungsphase soll ich die direkte Sonne meiden. Also bin ich brav im Schatten geblieben und habe das Gelände nicht verlassen.

Mein Bewegungsradius war dadurch überschaubar: Bett, Behandlung, Essen, Yoga und Training im Yoga-Raum – und wieder zurück in mein Cockpit. Ich hatte das Gefühl, dass PARKI es nicht so toll hier gefunden hat, aber irgendwie war das ja auch ein Stück der Zielsetzung. Es schleudert ihn von rechts nach links, von oben nach unten, er wird auch gekocht und geschrubbt,und dann auch noch die ganze Zeit diese Bewegung“. Grauenhaft findet er und verliert dabei ordentlich die Orientierung und die Ausrichtung.



Heute werde ich leergeräumt


Heute steht der nächste Schritt an: die Magen- beziehungsweise Darmreinigung.

Im traditionellen ayurvedischen Verständnis sollen dabei Rückstände ausgeschieden werden, die als Ama bezeichnet werden. Gemeint sind unvollständig verdaute oder nicht ausreichend verarbeitete Stoffe, die sich nach ayurvedischer Vorstellung im Körper ansammeln können.

Die Magenreinigung stand an und meine bisherigen Erfahrungen damit waren äußerst erinnerungsstark. Nicht nur, dass sie mit Magenkrämpfen einherging. Auch die Entscheidung, ob obenrum oder untenrum, hatte bisher keine klare Linie gefunden.

Mit diesem Erfahrungsschatz machte ich mich auf den Weg, um mir meinen "goldenen Spoon" abzuholen – oder wie auch immer das heute heißt.


Eines lässt sich festhalten: Von lecker konnte keine Rede sein. Als das Zeug drin war, machte ich mich bereit und bereitete mein Badezimmer auf alles vor, was ich bisher erlebt hatte. Dann legte ich mich hin, um der Dinge zu harren, die da kommen würden.

Dabei bin ich erst einmal eingeschlafen.

Als ich nach einer Weile wieder wach wurde, spürte ich keine Magenschmerzen. Irgendwie fühlte sich der Körper noch ein bisschen komisch an, aber im Grunde ging es mir gut. Nach zwei intensiven Besuchen des Badezimmers war der Drops gelutscht. So entspannt und einfach hatte ich es noch nie.



Es ist quasi Halbzeit und bisher hat alles wunderbar funktioniert – inklusive des Leergeräumtwerdens. Jetzt beginnt der Part, der wirklich Spaß macht. Ich werde gemeinsam mit Shibu in konzentrierten Einzelstunden an meiner Haltung arbeiten.

Das Neujahrsfest steht an, schlägt bereits große Wellen und wird am 19. August auch hier den Tag stark prägen. Zwei Ausflüge möchte ich ebenfalls machen. Mal schauen, ob meine Kraft dafür ausreicht. Denn ich möchte mit all dem auf keinen Fall die Wirkung der Runderneuerung konterkarieren. Denn die Mischung zwischen Wellness und Hellness hat mir bisher immer sehr gut getan

 
 
 

Kommentare

Mit 0 von 5 Sternen bewertet.
Noch keine Ratings

Rating hinzufügen
bottom of page