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Zwischen Selfie & Gruppenbild

28. Aug.
6 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 30. Aug.


Warum diese Kur ganz besonders war und was ich aus Kerala mitnehme


Die wenigen Tage, die mir zur Vorbereitung meiner Reise nach Indien blieben, waren ziemlich vollgepackt: mit der Planung für 2027, der Vorbereitung neuer Seminare und natürlich mit der Zeit für meinen Wusel, der trotz aller Unterstützung im Moment tatsächlich ganz schön zu kurz kommt.



Bis zum Frankfurter Flughafen war es vor allem die Routine, die mich in Bewegung hielt. Einchecken, Sicherheitskontrolle, Abflug. Auch das Umsteigen in Delhi war ein wenig anders als sonst – aber immer noch Business as usual. Körperlich war ich bereits auf dem Weg nach Kerala. Innerlich war ich noch gar nicht aufgebrochen.

Das änderte sich erst, als Gesche und Arun mich - wild winkend - begrüßten. Ich habe mich darüber riesig gefreut – und in diesem Augenblick ist etwas mit mir passiert. Ich war angekommen. Nicht nur am Flughafen von Trivandrum, sondern auch in der neuen Situation und bei der Kur.


Ankommen im indischen Chaos


Auf der Fahrt zum Treatment House begegnete mir sofort wieder dieser chaotische Verkehr, der seinen vollkommen eigenen Gesetzen folgt. Jeder freie Zentimeter wird genutzt. Autos, Motorräder, Tuk-Tuks und Menschen bewegen sich scheinbar ungeordnet durcheinander – und trotzdem funktioniert es.

Vielleicht liegt es daran, dass hier nicht, wie bei uns in Deutschland, das Recht des Einzelnen im Mittelpunkt steht und notfalls lautstark eingefordert wird. Stattdessen versucht die Gemeinschaft, unter chaotischen Bedingungen gemeinsam das Beste daraus zu machen.

Das bleibt für mich jedes Mal ein Rätsel. Und gleichzeitig fasziniert es mich.


Auch das Treatment House wird – wie jedes Gruppenerlebnis – wesentlich durch die zufällige Zusammensetzung seiner Gäste geprägt. Welche Menschen kommen und gehen? Wie begegnen sich die Gäste? Wie gehen die Mitarbeitenden mit ihnen um? Wie offen sind die Gespräche? Wie viel Nähe entsteht? Ich glaube, dass genau diese Interaktion einen erheblichen Anteil am Erfolg der Kur hat.



Onam: ein Blick in die indische Seele


Dann machte ich Bekanntschaft mit Onam, einem der wichtigsten Feste in Kerala. Es verbindet Elemente eines Neujahrs- und Erntedankfestes und nimmt hier einen entsprechend großen Raum ein.


Als unsere Gruppe noch vollständig war, gab es gemeinsam mit dem gesamten Team des Treatmenthouse eine große Feier. Und die war wirklich sehr, sehr lustig.

Es begann mit dem kunstvollen Blumenbild, das wir gemeinsam gestalteten. Die Blüten mussten sortiert, die Formen vorbereitet und das Muster so angelegt werden, dass sich alle daran orientieren konnten. Das fertige Bild war wunderschön. Mindestens ebenso spannend waren jedoch die Wege, auf denen wir gemeinsam dorthin gelangten.



Für einen Moment wurden die gewohnten Rollen unscharf. Angestellte und Gäste begegneten sich nicht mehr nur als Gastgeber und Besucher, sondern auch als Menschen, die gemeinsam feierten, tanzten und lachten.

Vielleicht war das einer der Augenblicke, in denen aus den vielen einzelnen Selfies endgültig ein gemeinsames Gruppenbild wurde.


Das Mädchen auf der Eckbank


Oft saß ich auf meinem Balkon, schaute in die Runde und ließ die Welt an mir vorüberziehen. Es hat diesmal viel geregnet. Immer wieder war ich beeindruckt davon, welche Ruhe dieser laute, prasselnde Regen ausstrahlen kann.



Ein junges Mädchen zog meinen Blick immer wieder auf sich. Ihre Körperhaltung vereinte scheinbare Gegensätze: Sie wirkte ein wenig angespannt und zugleich tief in sich ruhend. Sie ließ das Geschehen auf sich zukommen, ohne sich davon vereinnahmen zu lassen.

Vielleicht berührt mich dieses Bild so sehr, weil ich darin etwas von meiner eigenen Entwicklung erkenne. Obwohl ich nach wie vor viel zu viel Zeit vor dem Rechner verbringe, gelingt es mir immer besser, nicht sofort zu reagieren, sondern erst einmal wahrzunehmen und offen zu bleiben für das, was kommt. Diese Haltung möchte ich mir bewahren.


Was war diesmal anders?


Ich habe diese Kur als besonders intensiv erlebt. Ein wichtiger Grund war sicherlich, dass mir dieses Mal sehr bewusst war, warum ich nach Kerala reise und was ich von der Kur erwarte. Meine Ziele hielt ich in einem zweiseitigen Papier fest, das ich dem Team bereits vor meiner Ankunft per E-Mail zugeschickt hatte.

Damit war für mich klar: Ich komme nicht nur hierher, um mich behandeln zu lassen. Ich möchte verstehen, beobachten und aktiv daran mitarbeiten, etwas zu verändern.




Relax, breathe, stretch – and smile


Seit meiner Magenreinigung mache ich jeden Tag zwei Stunden Yoga: zuerst die normale gemeinsame Einheit und anschließend eine individuelle Session mit Shibu, die gezielt auf meine Haltungsproblematik ausgerichtet ist.

Wenn ich wieder zu Hause bin, wird Yoga einen festen Platz in meinem Trainingsprogramm bekommen. Das ist eine der klaren Konsequenzen, die ich aus dieser Kur mitnehme.

Vier Aufforderungen haben sich dabei regelrecht in mein Gedächtnis eingebrannt:

„Relax.“

„Breathe more.“

„Stretch.“

Und natürlich: „Smile.“

Entspannen, tiefer atmen, den Körper strecken – und bei aller Anstrengung das Lächeln nicht vergessen. Eigentlich kein schlechtes Programm. Nicht nur für meine Haltung, sondern für meinen gesamten Alltag.


Gut gewappnet für die nächsten Etappen


Für die nächsten Etappen meiner Reise mit PARKI fühle ich mich sehr gut gewappnet. Mein Körper fühlt sich wesentlich besser und belastbarer an als vor der Reise. Und auch meine Psyche ist deutlich stabiler.

Dazu haben die unterschiedlichen Phasen der Behandlung beigetragen: angefangen bei der Fußmassage über die Entgiftung des Körpers und die Magenreinigung, die diesmal wirklich erstaunlich gut über die Bühne ging, bis hin zum abschließenden Aufbau und zur Stärkung des gesamten Körpers.


Mindestens ebenso wichtig war jedoch die Art, wie ich hier aufgenommen werde. Ich habe tatsächlich ein wenig das Gefühl, zur Familie zu gehören. Und das nicht nur, weil man für seinen Aufenthalt bezahlt, sondern weil einem Zuneigung, Aufmerksamkeit und ehrliche Sympathie entgegengebracht werden. Vielleicht ist genau das ein Teil der Wirkung, der sich nur schwer messen lässt – den man aber sehr deutlich spürt.


Gleichzeitig zeigt die Bilanz sehr klar, wo meine größten Herausforderungen für die kommenden Monate oder Jahre liegen. An erster Stelle steht nach wie vor mein Schlaf, der während meines Aufenthalts zeitweise nahezu vollständig ausgefallen ist. Dazu kommen die dauerhafte Umstellung meiner Ernährung, das Fasten und ein konsequentes Stimmtraining.

Die Kur hat also nicht einfach eine Liste von Problemen abgearbeitet. Sie hat mir sehr deutlich gezeigt, wo ich Fortschritte gemacht habe – und wo ich am Ball bleiben werde.


Vom Selfie zum Gruppenbild


Diesmal waren nicht nur Kölner im Treatment House. Deshalb ließ sich die Herkunft der Teilnehmer auch nicht mit der vertrauten Frage klären: „Und in welchem Stadtteil wohnst du?“

Kroatien, Malta, Weltenbummler Berlin, Frankfurt – und natürlich trotzdem auch einige Kölner. Klar. Das Salz in der Suppe war der intensive Austausch zwischen Menschen mit ganz unterschiedlichen Lebensgeschichten. Wir brachten unsere persönlichen Fragen mit, berichteten von unseren Erfahrungen und hörten einander zu. Jeder kam zunächst mit seinem eigenen „Selfie“ an: mit dem eigenen Erleben, Hoffnungen, Sorgen und Zielen. Doch im Verlauf der gemeinsamen Zeit wurde daraus immer stärker ein inspirierendes Gruppenbild.



Kur oder Arbeit?


Natürlich habe ich während meines Aufenthalts auch an meinem Projekt „Leben mit PARKI“ weitergearbeitet. Ich habe Blogartikel geschrieben und gemeinsam mit Achu an den Themen des Treatment Houses gearbeitet.

Dazu gehörte auch die Entwicklung von Videos, die sowohl auf der Homepage des Treatment House als auch für mein Projekt ‚Leben mit PARKI‘ verwendet werden.

Wenn ich mir anschaue, was in dieser Zeit alles entstanden ist, habe ich die Tage ausgesprochen produktiv genutzt – und wieder einmal sehr viel geschafft.

Das ist Segen und Fluch zugleich.

Einerseits konnte ich durch die verkürzten Nächte viel erledigen. Andererseits habe ich meinem Mitbewohner PARKI damit vermutlich auch zu viele Entwicklungsspielräume eingeräumt. Denn fehlender Schlaf bleibt fehlender Schlaf – auch wenn am Ende ein fertiger Text oder ein neues Konzept auf dem Tisch liegt.



PARKI fand die Kur trotzdem ziemlich beschissen


Apropos PARKI: Dem hat es hier überhaupt nicht gefallen. Um es genauer zu sagen: Er fand es ziemlich beschissen. Die viele Bewegung, die aufrechtere Haltung und mein insgesamt gestärkter Körper machen ihm offenbar ganz schön zu schaffen. Je mehr Raum ich mir zurückhole, desto weniger bleibt für ihn übrig. Und das ist aus meiner Sicht ein ziemlich gutes Ergebnis.


Vom Gruppenbild zurück zum Selfie



Inzwischen hat eine Abreisewelle eingesetzt, wie ich sie hier noch nicht erlebt habe. Bei meinen bisherigen Aufenthalten kam ich häufig als einer der Ersten an und erlebte, wie die Gruppe allmählich wuchs.

Diesmal saß ich am Ende plötzlich nahezu allein da.

Aber wie so oft im Leben stellt sich auch hier die Frage: Was mache ich daraus?

Am Anfang habe ich Gruppenbilder gemacht. Jetzt mache ich eben wieder Selfies.


PS. Als ich in Trivandrum eingecheckt hatte, fragte mich die Air-India-Mitarbeiterin hinter dem Schalter doch tatsächlich, ob ich ein „Happy Customer“ sei und bereit wäre, mit ihr ein Selfie zu machen. Jetzt dürft ihr einmal raten, wie meine Antwort ausgefallen ist.




 
 
 

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