20.000 km geschafft und es geht einfach weiter
Aktualisiert: 19. Juli

Warst du schon mal in der Soul Bar? Sag bloß, du kennst sie nicht. Wenn ich ehrlich bin: Ich habe dort auch noch nicht gesessen, keinen Sonnenuntergang gesehen, nicht mit Menschen am Wasser gequatscht, keinen Drink in der Hand gehabt. Und trotzdem könnte ich heute dort in der untergehenden Sonne sitzen.
Die Soul Bar liegt in Auckland. Von Köln aus gesehen ziemlich genau auf der anderen Seite der Welt.

Rund 20.000 Kilometer entfernt. Und genau diese Zahl ist mir irgendwann begegnet – auf meinen Kilometerzählern. Über 20.000 Kilometer in den letzten sechs Jahren. Mit dem E-Bike. Und das nicht als großes Projekt, sondern einfach, wie es sich ergeben hat. Tag für Tag. Hier mal 20 Kilometer, da mal 30, manchmal mehr. Klar, es gab auch längere Touren. Aber im Kern war es genau das: das Alltägliche. Das Dranbleiben.
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Und plötzlich wird aus all diesen kleinen Abschnitten etwas Großes. Eine halbe Erdumrundung, die am Äquator exakt 20357,5 km beträgt. Ein Punkt auf der Landkarte wird greifbar. Auckland. Soul Bar. Und die Frage taucht auf: Wie habe ich das eigentlich geschafft? Die Antwort ist erstaunlich unspektakulär. Ich bin einfach immer wieder losgefahren.
Und genau das hat mir noch etwas anderes klar gemacht. Nicht nur beim Fahrradfahren, sondern vor allem im Umgang mit meiner Parkinson Diagnose, der ich den Namen PARKI gegeben. Parki ist bei mir ganz selbstverständlich eingezogen, schläft in meinem Bett, ißt von meinem Teller und fährt selbstverständlich auch mit den Urlaub. Ein anstrengender Geselle, der immer aktiv zu sein scheint. Und da gilt es gegen zu halten mit alldem, dass man selbst in der Hand hat. Und so verrückt, wie das klingt. In gewisser Weise bin ich Parki aber auch dankbar.

Ich habe bei Ayurveda Kuren in Indien ganz besondere Erfahrungen machen können, ich habe durch PARKI viele tolle Menschen kennengelernt und last but not least habe ich einen ganz anderes Verhältnis zu meinem Körper entwickelt und passe heute viel besser auf ihn auf.
PARKI wird mich so, wie es heute aussieht, den Rest meines Lebens begleiten. Los werde ich den Gesellen wohl nicht mehr, wenn nicht noch ein Wunder geschieht.
Falls es so eine "Wundertablette" doch plötzlich auf dem Markt wäre: "Herzlich willkommen". Aber die Wahrscheinlichkeit ist aus meiner Sicht nicht sehr groß. Also fokussiere ich mich auf das, was ich mit eigener Kraft selbst gestalten kann, um PARKI in die Schranken zu weisen. Wenn ich heute zurückblicke auf das kann festgestellt werden: "Es scheint was gelungen zu sein"Das sagen zumindest meine Ärzte und meine Therapeuten.
Und wenn ich mich gedanklich wieder auf meine imaginäre Weltreise begebe, dann beginnt das Kölner Herz zu schlagen. Wie wäre es, wenn es einfach weitergeht und ich dann irgendwann wieder in Köln lande, nachdem ich die Welt komplett umrundet habe. Und natürlich hat das Kölner Liedgut dafür eine herzergreifende Hymne geschrieben. "Stääne"
Übertragen auf mein Zusammenleben mit PARKI bleibt es einfach spannend zu sehen und zu erleben, wie sich die Dinge weiter entwickeln und wie es gelingt der degenerativen Entwicklung weiter Grenzen zu setzen..

Nun bin ich heute nicht in der Soul Bar in Auckland, sondern in Schaffhausen am Rhein, fühle die Sonne auf der Haut, denke mich auf die andere Seite der Weltkugel und feiere meine imaginäre Weltumrundung mit einem Drink in der Hand. Und dass zusammen mit meinem Freund Tommi, mit dem ich auf dem Weg von Basel nach Salzburg mit dem Fahrrad bin. Eine Radreise, die wir fast ein Jahr vorbereitet haben und
auf die wir uns riesig freuen.



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