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Ayurveda in Kerala

10. Aug.
3 Min. Lesezeit
Warum gerade jetzt die richtige Zeit dafür ist

Ich sitze auf meinem kleinen Balkon im Treatmenthouse in Kerala. Draußen ist es warm, die Luft ist feucht, und immer wieder zieht Regen über das Land. Was für uns zunächst nach schlechtem Urlaubswetter klingt, gilt hier als eine ganz besondere Zeit: als die beste Phase des Jahres für eine ayurvedische Behandlung.




Denn während wir zu Hause nach dem gregorianischen Kalender leben, richtet sich Kerala zusätzlich nach dem Malayalam-Kalender, dem sogenannten Kollavarsham. Der August markiert den Übergang vom letzten Monat Karkidakam zum ersten Monat Chingam. Es ist eine Zeit zwischen Rückzug und Neubeginn.


Karkidakam ist vom Monsun geprägt. Früher waren diese Wochen für viele Menschen besonders beschwerlich. Die Arbeit auf den Feldern war eingeschränkt, Krankheiten traten häufiger auf, und die Vorräte wurden knapp. Gleichzeitig entwickelte sich daraus eine Zeit der Besinnung und körperlichen Regeneration. Bis heute gilt Karkidakam in Kerala als besonders geeignet für Ayurveda.

Die feuchte, etwas kühlere Luft soll den Körper aufnahmefähiger für Öle und Anwendungen machen. Das Leben wird langsamer, der Körper bekommt Ruhe, und die Kräfte können sich neu sammeln.


Ayurveda betrachtet den ganzen Menschen


Was macht Ayurveda für Menschen mit Parkinson interessant?

Parkinson ist für mich weit mehr als eine Bewegungsstörung. Die Krankheit betrifft die Haltung, den Gang, die Muskelspannung und das Gleichgewicht. Sie wirkt sich aber auch auf Schlaf, Verdauung, Sprache, Stimmung und Energie aus. Vieles hängt miteinander zusammen.

Genau darin liegt eine Besonderheit des Ayurveda: Es betrachtet nicht nur ein einzelnes Symptom. Im Mittelpunkt steht der ganze Mensch mit seiner körperlichen Verfassung, seinem Tagesrhythmus, seiner Ernährung, seiner Belastbarkeit und seiner Fähigkeit zur Regeneration.

Ayurveda unterscheidet dabei grundlegende Regulationsprinzipien, die Doshas:

Drei Doshas: Vata | Pitta | Kapha.

Vata steht für Bewegung, Nervensystem, Atmung und geistige Aktivität.

Pitta beeinflusst Verdauung, Stoffwechsel und Körperwärme. Kapha steht für Stabilität, Kraft, Substanz und Regeneration.

Jeder Mensch trägt eine individuelle Zusammensetzung der drei Doshas in sich. Aus ayurvedischer Sicht geht es nicht darum, alle Menschen nach demselben Muster zu behandeln. Entscheidend ist vielmehr, das persönliche Gleichgewicht zu erkennen und zu unterstützen.

Parkinson wird traditionell vor allem mit einer Störung des Vata-Prinzips verbunden.

Zittern, Steifheit, unruhiger Schlaf, Unsicherheit und beeinträchtigte Bewegungsabläufe werden innerhalb dieses Denkmodells einem aus dem Gleichgewicht geratenen Vata zugeordnet.


Die Anwendungen setzen deshalb stark auf Wärme, Öl, Rhythmus, Ruhe und verlässliche Abläufe. Sie sollen den Körper beruhigen, ohne ihn stillzulegen. Denn gerade bei Parkinson bleibt Bewegung ein entscheidender Schlüssel.



Die Fußmassage – entstanden aus einer alten Heiltradition


Eine besondere Rolle im Treatmenthouse spielt die Fußmassage. Und damit ist nicht eine sanfte Wellnessmassage der Füße gemeint.


Es handelt sich um eine intensive Ganzkörperbehandlung, bei der der Therapeut mit seinen Füßen arbeitet. Mithilfe eines Seils oder einer Aufhängung hält er das Gleichgewicht und kann den Druck sehr genau dosieren.Diese Form der Behandlung ist eng mit der Geschichte Keralas verbunden.

Die Füße des Behandlers ermöglichten es, mit gleichmäßigem und kräftigem Druck auf Muskeln, Sehnen und Gelenke einzuwirken. So sollten Verspannungen gelöst, die Beweglichkeit verbessert und die Regeneration unterstützt werden. Das Wissen über den Körper, die Öle und die Behandlungstechniken wurde innerhalb einzelner Familien von Generation zu Generation weitergegeben.


Auch Vijay steht in einer solchen Familientradition. Nach den Angaben der Familie verkörpert er die 68. Generation dieser Heilerlinie. Seine Kinder führen das Wissen in der 69. Generation weiter.



Darin liegt etwas Besonderes: Die Methode wurde nicht aus einem Lehrbuch übernommen. Sie wurde über viele Generationen praktisch ausgeübt, beobachtet, angepasst und weitergegeben.

Die Fußmassage spricht nicht nur einen einzelnen Körperbereich an. Behandelt werden unter anderem Rücken, Schultern, Arme, Beine, Hüfte und Füße. Der Druck wird dabei großflächig und rhythmisch eingesetzt. Zusammen mit dem warmen Öl entsteht eine Behandlung, die gleichzeitig kräftig und fließend sein kann.

 
 
 

1 Kommentar

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Falko
10. Aug.

Hoch interessant !!

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