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Das kleine ABC unserer Radtour

1. Aug.
5 Min. Lesezeit
A wie Anfang

Wie anfangen? Man weiß ja nie so genau, ob der Anfang das Ende ist oder das Ende der Anfang. Wie auch immer.

In Aschau saß ich nach unserer letzten, sehr intensiven Etappe auf dem Balkon unserer Unterkunft. Ich hatte das Gefühl, man wollte uns überreden zu bleiben. Schaute ich nach links, sah ich das typische Bild mit den Kirchtürmen. Schaute ich nach vorn, lag das wunderschöne Bergpanorama vor mir – und ich fühlte mich einfach gut.



Die Gedanken kreisten um all die Bilder und das, was wir erlebt hatten. Um euch daran noch ein bisschen teilhaben zu lassen, versuche ich es mal mit einer anderen Gliederung: das kleine ABC dieser Radtour. Erwartet aber bitte nicht, dass ich dabei immer schön der Reihe nach vorgehe – manche Buchstaben haben heute einfach mehr zu erzählen als andere, und manche gar nichts. Ihr müsst also mit ein paar Lücken und Sprüngen im Alphabet leben.


Aber das Ende ist auch wieder ein Anfang – ein Anfang auf dem Weg, mich wieder sehr intensiv mit PARKI zu befassen. Dazu geht es nächste Woche nach Indien, zur vierten Ayurveda-Kur im Treatmenthouse. Die Fahrradtour endet zwar, aber die Kur beginnt – und beide hatten dasselbe Ziel: PARKI Grenzen aufzuzeigen. Mal sehen, wie ihm das gefällt.


B wie Begegnung

Fast alle der schönsten Momente dieser Reise waren nicht geplant. Sie ergaben sich einfach – aus einem Gespräch am Wegesrand, einem Blick, der hängen blieb, einem Menschen, der uns für einen Augenblick in sein Leben blicken ließ.

Da war das Pärchen, mit dem wir ins Gespräch kamen über das Handwerk und das Leben zwischen Deutschland und der Schweiz. Da war die Übernachtung in einem Haus, in dem fast zur Familie gehörten – mit dem gleichen Herzlichkeit beim Empfang wie der Verabschiedung. Und da waren die vielen kleinen Begegnungen unterwegs: freundliche Kellner, Menschen, die uns nur für einen Moment gegenüberstanden – und trotzdem etwas dagelassen haben.

Auch das war natürlich nicht geplant: das Finale der Fußball-Weltmeisterschaft, das wir unterwegs miterlebt haben – ein Spiel, die Fans aus Spanien ordentlich Stimmung gemacht haben.



D wie Dankbarkeit

Ich musste mir im Laufe der Tour eingestehen, dass ich nicht nur ein E-Bike habe, sondern dass ich ein echter E-Bike-Fahrer geworden bin. Noch im vorletzten Jahr war es ehrenrührig, Eco zu verlassen und im Modus Tour zu fahren. Jetzt hat es sich so entwickelt, dass ich immer diesen Modus benötige. Und damit nicht genug: Sport und Turbo spielen ständig eine größere Rolle.


Wenn ich sehe, was Tommy "wegtritt" und wie er im Berg an mir vorbeifliegt, dann sind die Grenzen sehr klar. Im flachen Norden ist das gar nicht so zu Tage getreten.


Das passt mir überhaupt nicht, aber es ist, wie es ist.


Die andere Seite der Medaille ist, dass mir diese Unterstützung ein wunderschönes Erlebnis ermöglicht hat. Also freue ich mich und bin dankbar, dass ich diese ca. 850 km mit ordentlich Höhenmetern klaglos absolviert habe und dass der Körper in dieser Konstellation keine "Kollateralschäden" vermeldet. Aber wie immer im Leben würde ich gerne mehr können. Das kann ich mir aber offensichtlich abschminken.

R wie Radeln

Hier wollte ich vielleicht nicht so viel quatschen, sondern mehr die Bilder für sich sprechen lassen. Wasser in allen Formen begleitete uns die ganze Strecke – mal als Wasserfall, mal als fließendes Gewässer, mal als stiller See, mal als Regen, der uns kurz durchnässte, bevor die Sonne wiederkam. Dazwischen der Wechsel zwischen Schotterwegen, auf denen man jeden Stein spürte, und glatten Radwegen, auf denen die Kilometer nur so vorbeiflogen. Und immer wieder dieses Auf und Ab, das den Beinen (und dem Akku) alles abverlangte.


T - Timewarp

Der Vollmond machte die Nacht in Aschau fast zum Tage. Und wir starteten richtig früh mit dem Fahrrad zum Bahnhof, um von dort nach München zu fahren. Als Frühaufsteher mit dem Wunsch, den Service der Deutschen Bahn möglichst stressfrei zu genießen, hatten wir in München fast drei Stunden Zeit, bevor unser ICE sich wirklich auf den Weg machte. Zum Zeitüberbrücken gab es für uns nur eine Idee: den Augustiner Biergarten. Ich glaube, das war das erste Mal, dass ich ohne meine Münchner Freunde Uwe und Moni dort war – aber für eine Verabredung war es einfach zu kurzfristig. Sehr schade.

Brotzeit, Weißwürste, Weißbier und dazu strahlender blauer Himmel – so lasse ich mir das gefallen. Als wir dann wieder viel zu früh auf dem Bahnsteig waren, mussten wir die Presslufthämmer ertragen, die um die Wette ratterten – eine Geräuschkulisse mit echtem Kopfschmerzpotenzial. Offenbar hatte diese quälende Geräuschkulisse auch die Aktualisierung der Wagenstandsanzeige lahmgelegt, sodass wir am Ende doch noch mit unseren Rädern über den ganzen Bahnsteig sprinten durften. Immerhin: Pünktlich kamen wir in Köln-Deutz und Düsseldorf an.


W - Worcation

An jedem Ort der Welt arbeiten zu können, ist eine Chance, der ich bisher noch nicht den notwendigen Raum gegeben habe. Damit man aber auf anderen Kontinenten, auf Bergen, Inseln oder in Städten arbeiten kann, ist eins die absolute Voraussetzung: der Internetzugang. Sonst wirst du auf einmal ganz schön einsam.

Während der wichtigsten Phase der Vorbereitung, Durchführung und Nachbereitung des Zertifikatslehrgangs hatten wir in unserer Wohnung kein funktionierendes Internet – das bedeutete, ununterbrochen in irgendwelchen Restaurants, Cafés oder Biergärten zu sitzen und verzweifelt zu versuchen, die Arbeit hinzubekommen.

Nachdem sich alles so schwierig darstellte, habe ich wieder auf den normalen, professionellen Weg umgeschaltet und nach einem Coworking Space gesucht. Gefunden habe ich diesen in Bad Tölz, etwa 30 km entfernt – und das war wieder mal eine Premiere: Ich fahre mit dem E-Bike durch eine wunderschöne Landschaft bei tollem Wetter zum Coworking Space von Beate. Dort halte ich mein Seminar von 13:30 bis 18:30 Uhr in meinem edlen Radtrikot ab.

Ich komme rein, werde begrüßt – und bekomme als Erstes den Schlüssel in die Hand gedrückt. Denn klar war: Ich würde als Letzter den Coworking Space verlassen. Also wird mir als Erstes erklärt, wie der Coworking Space wieder verriegelt und verrammelt werden kann und was ich tun muss, damit der Reinigungsroboter anschließend alle Zimmer durchfahren kann. Eine ganz neue Erfahrung.

Am Ende des Tages schließe ich also tatsächlich als Letzter ab und fahre die 30 km zurück zu meiner Wohnung. Ein ganz besonderer Tag mit einem tollen Workshop-Ergebnis und einem richtig guttuenden Feedback der Teilnehmer.


Z- Zusammenfassung.

Am Ende bleibt die Erkenntnis, dass diese Radtour genau das war, was ich mir erhofft hatte: Tage voller Bilder, Begegnungen und der Bewältigung von Herausforderungen, die im Rückblick zu genau den Geschichten werden, die man gerne erzählt.

Und vielleicht ist das ja das eigentliche kleine ABC dieser Tour: dass ein Ende nie wirklich nur ein Ende ist, sondern immer schon den nächsten Anfang – oder die nächste Chance – in sich trägt. Wie die Pflastersteine, die ich unterwegs am Wegesrand liegen sah: aus ihrer festen Ordnung gelöst, ein wenig verschoben, scheinbar durcheinandergeraten – und doch genau darin die Möglichkeit, sich neu zusammenzufügen, ein neues Muster zu finden. Nicht jeder Stein muss dort bleiben, wo er einmal lag.

Kaum ist das Rad im Zug verstaut, wartet schon die nächste Etappe – diesmal ohne Sattel, dafür mit umso mehr innerer Arbeit. Nach Indien, zur vierten Ayurveda-Kur, um PARKI wieder ein Stück in die Schranken zu weisen. Ob mir das gelingt, oder ob es PARKI gelingt, seine Position zu stärken, wird sich zeigen.

Das Wichtigste ist, dass ich die Akzente setze und meinen Fokus klar und mit Energie und Begeisterung lebe. Anfang, Ende, Neubeginn – am Ende ist es wohl egal, wo man den Kreis aufschneidet. Hauptsache, man dreht ihn weiter.

 
 
 

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