Wo die Berge mitfahren
Was für ein grandioser Tag war das ! Man kann wirklich nur dankbar sein für das, was man erleben und wirklich machen kann. Und jetzt sitze ich in der Sonne, schau auf die Berge genieße die Stille. Gestartet sind wir morgens in Nesselwang, in der Alpenrose. Und ich war schon sehr gespannt auf das, was mich am Abend erwartete — aber dazu später mehr.
Nach Füssen zu radeln war bereits der Knaller. Über schöne Radwege rollten wir entspannt und doch zügig voran. Nach 25 km standen wir schon am Hopfensee. Und dort begann der zweite Teil: die Runde um den Forggensee.
30 Kilometer mit grandiosen Alpenblicken
Schaust du auf die Karte, findest du neben dem Forggensee die Beschreibung: „Forggensee-Radweg mit Alpenblick". Und fährst du ihn entlang, siehst du immer wieder Radfahrer anhalten – sie fotografieren die Landschaft, machen Selfies, wollen diesen Moment einfach festhalten. Und du verstehst sofort, warum.
Auf den 30 Kilometern rund um den See fahren das Ammergebirge und die Tannheimer Berge immer mit, und dazwischen strahlt türkis der See.
Doch am besten lässt sich das gar nicht erzählen – du musst es sehen. Video ab
Das Ende der Tour erreichten wir die Altstadt von Füssen. Nach der geballten Natur war das die Fülle von Menschen und Touristen auf einem Haufen ein kleiner Kulturschock. Da haben wir uns unser wohlverdientes Weizenbier gegönnt — alkoholfrei, versteht sich. Damit war der erste Teil des Tages perfekt absolviert.
Und dann kam der Abend, auf den ich so gespannt war.
Als ich letztes Jahr mit der Fähre in Dänemark ankam, war meine erste Übernachtung in einem Baumhaus. Das fand ich so inspirierend, dass ich mir auch für diese Tour eine besondere Übernachtung gegönnt habe. Eine Übernachtung in einem Bubble-Zelt.
So ein Bubble-Zelt ist eine durchsichtige Kuppel aus Kunststofffolie, die allein durch Luftdruck gehalten wird.

Ein leises Gebläse pumpt ununterbrochen Luft hinein und hält sie in Form. Rein und raus geht es über eine kleine Luftschleuse, sonst würde die Blase in sich zusammenfallen. Der ständige Luftstrom hält die Wände klar — sonst läge man im eigenen Beschlag, und der Sternenhimmel wäre dahin.
Ich wunderte mich schon, dass der Check-in erst ab 16 Uhr sein sollte. Ungewöhnlich spät. Als ich dann früher am Zelt eintraf, war mir klar, warum: Solange die Sonne schien, war es brüllend heiß da drin. Erst als am Abend kühlere Luft hereinkam, wurde es ein Raum, in dem man sich gut aufhalten konnte.
Dann aber wurde es magisch. Nur eine dünne Haut zwischen mir und dem Abendhimmel. Man liegt im Bett und schaut nach oben — und da ist er, der ganze Himmel. Erst das letzte Licht über den Gipfeln, dann die ersten Sterne.
Gegenüber stand der Berg, am Abend nur noch eine dunkle Silhouette — ruhig und mächtig, wie ein Wächter, der die Nacht abwartet. Und ich mittendrin in dieser Blase, mit dem Gefühl, unter freiem Himmel zu liegen. Nur eben trocken und warm.
Ich habe lange nicht mehr so bewusst nach oben geschaut.
Wenn der Tag wieder wach wird

Wenn am nächsten Morgen der Tag wieder wach wird und die ersten Sonnenstrahlen den gegenüberliegenden Berg erreichen Dann steigt die Vorfreude auf das, was heute vor uns liegt: der Weg nach Garmisch-Partenkirchen.
Hat es sich gelohnt?
ch würde sagen: eine geteilte Bewertung. Einerseits ist eine Nacht in dieser Blase anregend – sie bringt mich ins Grübeln, wie ich mich mit der Natur anders verbinden kann. Ich glaube, bei der nächsten Fahrradtour richte ich mich mehr aufs Zelt aus als auf Hotels. Zumindest werde ich neu darüber nachdenken. Andererseits: Den Preis für diese Nacht empfinde ich als ausgesprochen sportlich. Das ändert aber nichts daran, dass die Gespräche mit den Betreibern sehr empathisch und wertschätzend waren.



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